Es gibt Apps, bei denen man nach dem ersten Start denkt: Das hätte Apple eigentlich selbst so bauen können. Die Sprachmemos auf dem iPhone sind praktisch, aber sie sind eben Memos. Wer ein Interview führt, eine Vorlesung mitschneidet oder als Arzt einen Befund diktiert, stößt schnell an Grenzen. Die Aufnahme bricht beim Anruf ab, die Qualität ist komprimiert, und wer den Text hinterher braucht, tippt ihn ab oder schiebt die Datei in irgendeine Cloud. NotaVoice aus dem Hause myn.to setzt genau da an und versteht sich nicht als Memo-App, sondern als Diktiergerät im Sinne des Wortes.

Aufnehmen, bis der Akku leer ist

Die Aufnahme startet mit einem Tippen, lässt sich pausieren und läuft bei gesperrtem Display oder beim Wechsel in eine andere App einfach weiter. Eine zeitliche Grenze gibt es nicht, ein zweistündiges Seminar ist kein Problem. Kommt zwischendurch ein Anruf, pausiert NotaVoice automatisch und macht nach dem Auflegen von selbst weiter. Das klingt banal, ist aber genau der Moment, in dem man mit vielen anderen Recorder-Apps schon einmal eine halbe Stunde Interview verloren hat.

Bei der Qualität geht die App weiter, als man von einer Handy-App erwarten würde. Standard ist Apple Lossless mit 48 Kilohertz und 24 Bit, also verlustfrei. Wer Speicherplatz sparen will, schaltet auf AAC um. Interessanter ist die Wahl der Mikrofon-Charakteristik: Stereo liefert ein räumliches Klangbild, Mono nutzt das gesamte Mikrofon-Array omnidirektional mit maximaler Empfindlichkeit. Letzteres ist die richtige Wahl, wenn das Handy in der Mitte des Konferenztischs liegt und die Sprecher drei Meter entfernt sitzen. Während der Aufnahme sieht man die Wellenform in Echtzeit, kann Marker setzen und bekommt eine Schätzung der Dateigröße angezeigt.

Der eigentliche Clou: Transkription ohne Internet

Jede gespeicherte Aufnahme lässt sich nachträglich mit einem Tippen in Text verwandeln. Das passiert komplett auf dem Gerät, ohne Cloud, ohne fremde Server, ohne kostenpflichtige Schnittstelle. Auf dem iPhone nutzt NotaVoice dafür die neue Spracherkennung von iOS 26, die anders als frühere Apple-Lösungen keine Längenbegrenzung mehr kennt. Ein einstündiges Meeting wird also wirklich vollständig transkribiert und nicht nach der ersten Minute abgeschnitten. Auf älteren Systemen teilt die App lange Aufnahmen automatisch in Stücke und fügt die Ergebnisse mit korrekten Zeitstempeln wieder zusammen.

Das Transkript lässt sich in der App bearbeiten, und ein Tipp auf einen Absatz springt im Audio an genau diese Stelle. Wer unsicher ist, ob die Erkennung ein Wort richtig verstanden hat, hört es also sofort nach. Transkribiert wird auf Deutsch, Englisch in der amerikanischen und britischen Variante, Französisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch und brasilianischem Portugiesisch. Die Sprachmodelle lädt das System einmalig herunter, danach funktioniert alles offline.

Wer hat was gesagt?

Im Meeting-Profil versucht NotaVoice zusätzlich, die verschiedenen Stimmen auseinanderzuhalten und ordnet die Passagen als Sprecher A, B und C zu. Auch das läuft ausschließlich auf dem Gerät, ohne neuronales Modell aus der Cloud. Und hier muss man ehrlich sein: Bei klar unterschiedlichen Stimmen und sauberen Sprechpausen funktioniert das erstaunlich gut. Bei zwei ähnlich klingenden Kollegen, die sich gegenseitig ins Wort fallen, kommt die Zuordnung an ihre Grenzen. Der Entwickler verschweigt das nicht, und wer die Funktion als Hilfe statt als Wahrheit begreift, wird sie trotzdem regelmäßig nutzen.

Eine optionale Rauschunterdrückung entfernt nachträglich Brummen und Rumpeln, ebenfalls lokal. Geteilt wird die Audiodatei im Originalformat oder das Transkript als Textdatei, wahlweise als Fließtext, mit Zeitstempeln oder mit Sprecherzuordnung. Für ein schnelles Protokoll nach der Besprechung reicht das völlig.

Bibliothek, Design, Datenschutz

Alle Aufnahmen landen in einer Bibliothek, die nach Titel, Notiz, Referenznummer und sogar dem Inhalt des Transkripts durchsuchbar ist. Die Referenznummer ist ein Hinweis auf die Zielgruppe: Wer Patienten- oder Aktenzeichen erfasst, findet die Aufnahme später auch darüber wieder. Optisch setzt NotaVoice auf einen metallischen Hintergrund in Silber oder Blau, auf dem die Inhalte wie Panels liegen. Wer will, stellt sich ein komplett eigenes Farbschema zusammen.

Das vielleicht wichtigste Argument steht am Ende: Es gibt kein Konto, keine Cloud, kein Tracking und keine Werbung. Aufnahmen und Transkripte verlassen das Gerät nicht. Für Ärzte, Anwälte und Journalisten, die mit vertraulichem Material arbeiten, ist das kein Bonus, sondern die Voraussetzung, so eine App überhaupt einsetzen zu dürfen.

Preis und Plattformen

NotaVoice gibt es für iPhone und iPad ab iOS 26.1 sowie für Android. Im App Store kostet die App einmalig 4,99 Euro, ohne Abo und ohne In-App-Käufe. Die Oberfläche ist auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch übersetzt.

Fazit

NotaVoice ist kein Spielzeug für Sprachnotizen, sondern ein Werkzeug für Leute, die regelmäßig lange Gespräche aufnehmen und den Text hinterher brauchen. Dass Transkription und Sprechererkennung vollständig auf dem Gerät laufen, macht die App gerade für Berufsgruppen mit Schweigepflicht interessant. Wer bisher ein separates Diktiergerät mit sich herumgetragen hat, kann es nach ein paar Tagen mit NotaVoice vermutlich in der Schublade lassen.