Die kleinen 360°-Kameras von Insta360, Ricoh oder DJI sind längst kein Nischenspielzeug mehr. Einmal auslösen, und der ganze Raum ist im Kasten. Das Problem fängt danach an: Aus den einzelnen Kugelpanoramen einen Rundgang zu machen, in dem man von der Küche ins Bad und weiter in den Flur klicken kann, war bislang Desktop-Arbeit. Oder man hat einen Dienstleister bezahlt, der die Tour auf seiner Plattform hostet, inklusive Abo und Wasserzeichen. Genau da setzt Panovo an, eine App aus dem Hause myn.to, die den kompletten Weg vom Panorama bis zur fertigen Tour aufs Smartphone holt.

Vom Foto zum Rundgang in drei Schritten

Der Ablauf ist angenehm geradlinig. Man legt ein Projekt an, gibt ihm einen Namen und optional Adresse und Notizen, und importiert dann die 360°-Fotos aus der Mediathek. Panovo nimmt equirektangulare Bilder im Seitenverhältnis 2:1, also genau das, was jede gängige One-Shot-Kamera ausspuckt. Die App prüft die Bilder beim Import und meckert, wenn die Auflösung zu knapp ist. Jedes Foto wird zu einer Station, die man benennen, sortieren und als Startpunkt festlegen kann.

Der eigentliche Kern ist der Hotspot-Editor. Man tippt ins Panorama und setzt an dieser Stelle einen Marker, entweder als Übergang in den nächsten Raum, als Infopunkt mit eigenem Text oder als Link nach draußen. Farbe, Symbol und Beschriftung lassen sich anpassen. Was uns dabei wirklich gefallen hat: Für jeden Übergang legt man visuell fest, in welche Richtung der Betrachter schaut, wenn er den nächsten Raum betritt. Klingt nach einem Detail, macht aber den Unterschied zwischen einem Rundgang, der sich natürlich anfühlt, und einem, bei dem man nach jedem Klick erst mal die Orientierung sucht.

Anschauen, exportieren, fertig

Bevor man irgendetwas veröffentlicht, lässt sich die Tour direkt in der App begehen. Wischen, zoomen oder einfach das Handy drehen, der Gyroskop-Modus macht aus dem Telefon ein Fenster in den Raum. Ein Tipp ins Bild blendet alle Bedienelemente aus, was sich beim Kunden im Wohnzimmer als überraschend wirkungsvoll erweist.

Der Export ist die zweite große Stärke. Panovo erzeugt ein eigenständiges HTML-Paket mit einer index.html, einer tour.json und allen Panoramen, verpackt als ZIP. Das Ganze geht per Mail, AirDrop oder über die Dateien-App raus und wird auf einem beliebigen Webspace entpackt. Mehr ist nicht nötig. Keine Serverlogik, keine Datenbank, keine Abhängigkeit von irgendeiner Plattform, die nächstes Jahr vielleicht nicht mehr existiert. Und, das ist heute fast schon ungewöhnlich, auch kein Tracking im exportierten Rundgang. Wer die Exporte beider Plattformen vergleicht, stellt fest, dass sie identisch aufgebaut sind. Eine auf dem iPhone begonnene Tour lässt sich also problemlos auf dem Android-Gerät weiterverwenden.

Alles bleibt auf dem Gerät

Panovo funktioniert komplett offline. Es gibt kein Konto, keine Cloud, keine Analyse-Tools. Die Fotoauswahl läuft über den System-Picker, die App sieht also nur die Bilder, die man ihr ausdrücklich gibt. Gerade bei Aufnahmen aus fremden Wohnungen oder von Baustellen ist das kein Nebenaspekt, sondern ein echtes Argument. Zugangsdaten für den eigenen Webserver kann man bereits hinterlegen, sie landen im Schlüsselbund des Systems. Ein Direkt-Upload aus der App heraus ist für eine spätere Version angekündigt.

Wer das braucht

Die naheliegende Zielgruppe sind Immobilienmakler und Vermieter von Ferienwohnungen, die ein Objekt begehbar zeigen wollen, ohne für jede Wohnung einen Fotografen mit Matterport-Ausrüstung zu buchen. Beim Ausprobieren haben wir aber gemerkt, dass der zweite Anwendungsfall mindestens genauso spannend ist: Dokumentation. Ein Bauträger, der den Baufortschritt jede Woche vom gleichen Standpunkt festhält. Ein Handwerker, der die Leitungen fotografiert, bevor der Trockenbau davor kommt. Ein Gutachter, der den Zustand einer Wohnung bei der Übergabe nachvollziehbar sichern will. Ein 360°-Bild zeigt eben nicht einen Ausschnitt, sondern den ganzen Raum, und ein Rundgang daraus ist selbsterklärend.

Wie so ein Ergebnis aussieht, kann man sich auf panovo.myn.to an einer Musterwohnung ansehen, die komplett mit der App erstellt wurde.

Preis und Plattformen

Panovo gibt es für iPhone und iPad ab iOS 18 sowie für Android ab Version 8. Im App Store kostet die App einmalig 4,99 Euro, ein Abo gibt es nicht. Die Oberfläche ist komplett auf Deutsch und Englisch verfügbar, auf dem iPhone im aktuellen Liquid-Glass-Design mit Dunkelmodus und Bedienungshilfen.

Fazit

Panovo macht keine Zauberei, aber sie räumt einen Workflow auf, der bisher unnötig umständlich war. Wer eine 360°-Kamera besitzt und schon länger überlegt, was man mit den Aufnahmen anfangen soll, bekommt hier für den Preis eines Kaffees mit Kuchen ein Werkzeug, das aus Einzelbildern einen echten Rundgang macht. Dass die fertige Tour einem selbst gehört und auf dem eigenen Webspace liegt, ist dabei vielleicht das beste Argument von allen.